Im Januar 1918, also vor hundert Jahren, wurde Willi Graf geboren, vor 75 Jahren hingerichtet. In einem Scheinprozess wurde er zum Tod verurteilt. Er starb unter dem Fallbeil, weil er sich dem Unrechtssystem der Nationalsozialisten widersetzt hatte. Seine katholische Erziehung führte zu einer geradlinigen Haltung, die uns heute noch Respekt abfordert. Daran wollen wir in diesem Monat durch diese Ausstellung erinnern,“ begrüßte Schulleiterin Mechthild Falk Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule und des Beruflichen Oberstufengymnasiums am BBZ St Ingbert. Musikalisch umrahmt wurde die Feier durch Birgitta Lauer-Müller am Cello, und Hermann Müller von der Musikschule St. Ingbert am Kontrabass, die mit klassischer und moderner Musik die Zuhörer einstimmten. In seiner Ansprache ging der Historiker Joachim Frenzel-Paal auf das Leben Willi Grafs ein. Er erinnerte daran, dass Willi Graf schon als 17jähriger Schüler in Opposition zu dem Regime geriet, als dieses alle Kinder ab dem 10 Lebensjahr in die Hitlerjugend und den BdM zwingen wollte. Da habe sich Willi Graf dem „Grauen Orden“ angeschlossen, einer losen Verbindung von überwiegend katholischen Jugendlichen. Seit dem Entstehen der „bündischen Jugend“ sei die „große Fahrt“, das Kennenlernen fremder Menschen und Kulturen, das Reisen mit einfachsten Mitteln ohne viel Geld ein wesentliches Element der bündischen Tradition gewesen. So sei auch Willi Graf auf große Fahrt gegangen, unter anderem auf den Balkan. Hier habe er Gastfreundschaft und freundliche Aufnahme gefunden. Das habe ihn widerstandsfähig gegen die Propaganda vom arischen Herrenmenschen gemacht. Und als er 1942 als Soldat wieder dort hin gekommen sei, und die Gräueltaten von Sonderpolizei und Sondereinsatzkommandos gesehen habe, habe ihn das endgültig in den Widerstand getrieben. Schließlich sei er verurteilt worden, weil er, wie es unter anderem in der Urteilsbegründung hieß, „den Führer aus Gemeinste beschimpft“ habe. „Auf heute übersetzt heißt das, für das Drucken und Verteilen von Flugblättern, wegen des Sprayens von Grafittis und Beleidigung des Führers wurde damals jemand zum Tode verurteilt.“ Frenzel-Paal nannte die Entscheidung, 1989 das BBZ in Willi-Graf-Schule zu benennen eine mutige Entscheidung, schließlich hätten damals noch viele gelebt, die sich dem Regime der Nationalsozialisten nicht widersetzt hatten und den Widerstand ganz im Sinne der nationalsozialistischen Propaganda abgelehnt hätten. Wenn jetzt der Saarländer Willi Graf tatsächlich selig gesprochen werde, wie es Kardinal Marx angeregt hat, dann werde an einen mutigen Mann erinnert, der seinem Gewissen gefolgt sei und heute noch Vorbild sein könne. Als Vermächtnis Willi Grafs nannte Frenzel-Paal: Achtung vor der Würde des anderen, Misstrauen gegen jede Form der Propaganda, Eintreten für Meinungs- und Gewissensfreiheit. Im Anschluss dankte Falk den Musikern für die spontane Bereitschaft, an der Eröffnung mitzuwirken und lud Lehrer und Schüler zu einer Besichtigung der Ausstellung ein. Die Ausstellung ist noch bis Ende Januar im Eingangsbereich der Willi Graf Schule zu besichtigen.